Bernd Barbas - Mein Leben

Meine Eltern heirateten vor dem Krieg im Osten Deutschlands. Durch den Beruf meines Vaters, Sattler, kamen meine Eltern in meine Heimatstadt Ulm. Hier wurde ich dann im Krieg am 8. 6. 1943 geboren.

Am 17. 12. 1944 wurde Ulm schwer bombardiert und zum großen Teil zerstört. Wie schon so oft, warteten meine Eltern auf das Ende des Angriffs im Kellergewölbe. Meine Mutter hielt mich auf ihrem Schoss und hatte zu meiner Sicherheit mir ein Tuch vor den Mund gelegt. Als der Angriff vorbei war, rührte ich mich nicht mehr. Mein Vater packte mich und rannte mit mir in den Park zum Brunnen. Er bespritzte mich mit dem kalten Wasser und ich fing an zu schreien. Das war wohl mein einziges „Kriegserlebnis“.

In Ulm besuchte ich die Schulen und studierte dort, nach meiner Lehre, auch Nachrichtentechnik. Anschließend arbeitete ich vierzig Jahre lang in zwei Luft- und Raumfahrtfirmen als Diplomingenieur. Zuerst in der Entwicklung, dann in der Beschaffung.

Mit fünfzehn Jahren trat ich in die DLRG ein und machte dort alle Prüfungen für den Rettungsdienst. Nebenbei fuhren wir auch gemeinsam in die Berge zum Wandern und zum Skifahren. Eine weitere sportliche Betätigung war Judo, in den Fünfzigern noch recht exotisch.

In der DLRG lernte ich auch meine Frau Christa kennen, die ich, nach Abschluss meines Studiums, 1969 heiratete. Fünf Jahre später bekamen wir eine Tochter, Bettina. In jungen Jahren bereisten wir mit dem Auto ganz Europa, vom Nordkap bis nach Portugal sowie England und in der Türkei kamen wir bis fast an die syrische Grenze.

Durch meinen Beruf kam ich in Kontakt zu den anderen Luftfahrtfirmen und zu deren Archiven. Weiterhin lernte ich dort auch viele Mitglieder der Luftwaffe kennen.

Mein wohl erstes Treffen beim JG 52 war in Tumblingen bei Artur Fischer. Johannes Wiese trug hier noch sein Ritterkreuz. Wir besuchten ihn später noch oft und hatten zu ihm ein gutes Verhältnis. Durch das Buch von Steinhoff gehörte er ja zu den „geächteten“ des JG 52. Bei einem späteren Treffen in Büchel, bei dem es noch den Begriff „Tradition“ gab, schlug Galland Wiese die Hand aus, mit der Bemerkung, ob er denn das Buch von Steinhoff nicht gelesen hätte. Ich stand betroffen daneben. Am späten Abend hatte meine Frau noch ein anderes Erlebnis, das sie so empörte und sie sich schwor, nie wieder an einem Treffen teilzunehmen.

Bei einem weiteren „Traditionstreffen“ in Memmingen, bei den Grünherzjägern, traf ich den Kommodore Hannes Trautloft, der während des Treffens als Redner seine Kameraden bat „den jungen Mann dahinten zu unterstützen“ und ihm die vorhandenen Fotos zu überlassen.

Beim Treffen der „Eismeerjäger“ in den späten siebziger Jahren nahm ich jeweils ein Buch von Girbig mit und bat alle Anwesenden um ihre Unterschrift. So kamen damals in jedem Jahr mehrere Hundert Unterschriften zusammen. Mit der Bemerkung „ich habe doch schon im letzten Jahr unterschrieben“ wollte Walter Schuck als einziger nicht unterschreiben. Er hatte Angst, dass ich mit den Unterschriften handeln würde und unterschrieb dann doch.

Sehr schöne Treffen und immer perfekt organisiert waren die Treffen des JG 27. Ich erinnere mich noch an das Treffen in Tegernsee. Ich traf dort Ernst Obermaier und Hans Ring. Wir wollten nicht stören und gingen in ein Nebenzimmer. Die Aquarelle aus Afrika, die ich mit ersteigern wollte, waren dann verkauft, als wir zurückkehrten.

Eines der ersten Treffen der „Gemeinschaft“ das ich besuchte war das Treffen in München. Ich übernachtete in der Grenzjägerkaserne und traf viele bekannte Jagdflieger. Einer meinte, „was sind schon 100 Abschüsse im Osten, ich habe 100 im Westen“. Herbert Rollwage war ganz stolz auf seine 44 Viermotabschüsse, die er wohl mit seiner Punktezahl verwechselte. Ich konnte ihn aufklären, dass Heinz Schnaufer über 100 Viermotabschüsse hatte, da war er dann nicht mehr so abgehoben. Ein Kamerad kam aus dem fernen Ausland und behauptete er hätte St. Exupery abgeschossen. Leider war ich so dumm und habe mir seinen Namen nicht notiert.

In Altenstein waren die Treffen der II. Gruppe des JG 52. Der Sanitäter Hans Hoffmann hatte dort ein Lokal in dem sich die Kameraden jedes Jahr trafen. Ich konnte dort viele Kameraden des JG 52 kennenlernen. Von den bekannteren habe ich nur Helmut Lipfert nicht getroffen.

Mit meinem umfangreichen Bildmaterial setzte ich mich in den achtziger Jahren mit dem Kookaburra Verlag in Australien in Verbindung. Es war damals auf diesem Gebiet der führende Verlag, der schon eine Reihe Bücher über die Luftwaffe herausgegeben hatte. Leider war die Zusammenarbeit wenig erfreulich. Zuerst wollte der Verlag, trotz Vertrag, die Bücher nicht herausbringen. Der Verleger, Herr Pentland, hätte einen Unfall gehabt und wäre nicht in der Lage etwas zu tun. Über einen Bekannten erfuhr ich, dass bei seinem Unfall nur sein Auto Schaden genommen hätte. Als es an das Honorar für meine Bücher ging, waren meine beiden Bände nur ein Buch in zwei Bänden. Zu spät erfuhr ich von einem anderen Autor, dass auch ihn Herr Pentland nicht bezahlen wollte, er aber durch einen Kniff dann doch zu seinem Geld kam. Ich bekam dann mein Honorar in Form von Büchern. Ich konnte später noch Bücher nachkaufen, bis alle vergriffen waren.

Herr Goyat aus Paris hatte hierzu die farbigen Seitenrisse gezeichnet, Herr Gliss aus Bonn noch einen weiteren Seitenriss und Herr Sandow aus Bielefeld die Seitenrisse in schwarz-weiss. Stolz bin ich bei diesen Bänden, dass mir hier Herr Erich Hartmann ein Vorwort geschrieben hat. Es ist wohl sein einziges Vorwort, das er weitergegeben hat.

Etwa zehn Jahre später kontaktierte mich der Schiffer Verlag wegen einem Buch über die Luftwaffe. Sicherheitshalber setzte ich mich mit Kookaburra in Verbindung. Die Antwort war „In einer dunklen Ecke seines Lagers hätte er noch viele meiner Bücher gefunden“. Das war dann das Ende unserer Korrespondenz.

Als Honorar bei Schiffer war hier ein Anteil pro verkauftem Buch gedacht. Dabei erfuhr ich, dass gewisse Händler 75 Prozent Rabatt bekommen, dann aber noch die Hälfte zurückschicken, so dass vom vereinbarten Honorar etwas über zwölf Prozent bleiben. Später musste ich lernen, dass es derartige Kunden gar nicht gibt, sondern dass dies ein „Zubrot“ des Verlages ist. Alle Klauseln des Vertrages waren recht einseitig verfasst und dass ich alle zukünftigen englischen Bücher zuerst Schiffer anbieten muss, also lebenslange „Sklaverei“ und damit in Deutschland sittenwidrig und nichtig. Mein Rechtsanwalt meinte hierzu, dass er die Rechtslage im „land of the free“ nicht kennt, sie könnte aber anders sein. Ab und zu bekomme ich einen Scheck, den mir aber meine Bank nicht einlösen will, denn es fallen bei Dollarschecks mindestens zwanzig Euro Gebühren an.

Dann kam das rabenschwarze Jahr 1999. Zuerst starb ein guter Motorradfreund bei einem Autounfall. Dann teilte die Polizei uns mit, dass meine Tante in Hannover verstorben sei. Bei der Rennerei zwischen den Behörden in Hannover bemerkten wir, dass meine Frau nicht folgen konnte, meine Tochter rannte immer zwischen uns hin und her um die Verbindung zu halten. Wieder daheim, ging meine Frau zum Arzt und kam denn gleich ins Krankenhaus. Ihre Blutwerte waren dramatisch schlecht, so kam sie dann nach Ulm in die Uniklinik. Es folgten über zehn Therapien die nicht anschlugen. So schwor ich mir, für meine Frau den Jakobsweg zu laufen. In Etappen durch die Schweiz, Frankreich und Spanien bis an den Atlantik, den ich im Mai 2005 erreichte. Da es meiner Frau nicht besser ging, schwor ich, ein zweites Mal zu laufen. 2007 war ein großes Motorradtreffen in Südspanien, so konnte ich in diesem Jahr nur eine kleinere Strecke, von Genf nach Le Puy, laufen.

Am Valentinstag 2008 verstarb dann, nach ihrem jahrelangen Kampf, meine Frau. In diesem Jahr erreichte ich die spanische Grenze zum zweiten Mal. Abgeschreckt durch das Massenaufkommen von Pilgern in Spanien, entschied ich mich, zum Küstenweg zu laufen. Ich kam dann gleich zweimal in ein ausgedehntes Regengebiet und brach dann jeweils ab. Bis 2013 hatte ich Santander erreicht und habe immer noch den Wunsch in Santiago anzukommen. Ich hatte immer ein Tagebuch geführt und möchte es später veröffentlichen.

Durch meine schlechte Erfahrung entschloss ich mich die Geschichte des JG 52 selbst zu verlegen. Ich begann 2004 mit der am schlechtesten dokumentierten Gruppe, der II. Gruppe. Zu Beginn verkaufte sich das Buch recht gut, nur die gedruckte Auflage war zu hoch. Zwei Jahre später folgte die Geschichte der I. Gruppe, die am besten dokumentiert war. Die Auflage war reduziert und ist nahezu vergriffen. 2010 folgte die Geschichte der III. Gruppe.

Der letzte Band ist der Band über den Stab, die Ersatzeinheiten, die 13. (Slowaken) und die 15. (Kroaten) Staffel. Ich erzählte Herrn Nickel von meinem Projekt und er erklärte sich bereit, diesen Band im VDM Verlag herauszubringen. Es erschien im Jahr 2017.

Von dem Gruppenarzt der I. Gruppe, Dr. Schürer, bekam ich vor langer Zeit wunderschöne Dias, die ich teilweise schon veröffentlicht hatte. 1982 schickte ich Abzüge an den damaligen Gruppenkommandeur Gerhard Barkhorn. Er antwortete nicht, deshalb rief ich ihn an. Er meinte am Telefon, dass seine Frau Fotografin wäre, eine Leica gehabt hätte und sie auch schöne Fotos gemacht hätte. Es war ein sonniger Herbst gewesen und so vereinbarten wir für das Wochenende einen Besuch bei ihm. Meine Frau Christa redete mit seiner Frau Christl, meine Tochter mit einem etwa gleichaltrigen Mädchen. Ich redete lange mit Herrn Barkhorn über die Fliegerei und ich glaubte zu verstehen, dass er immer im Schatten von Hartmann stand. Ich versprach ihm, etwas leichtfertig, nach der Geschichte des JG 52, seine Biografie zu erstellen. Sie wurde 2012 fertig und ist 2014 im Start Verlag erschienen. Claes Sundin hat hierzu wunderschöne Seitenrisse gezeichnet und das Buch zeigt auch die Farbfotos von Gerhard Barkhorn.

© Bernd Barbas | Buchautor |